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Institut für Psychosomatische Zahnmedizin
Psychologie in der Zahnheilkunde
und Zahnärztliche Psychotherapie

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Telefon 07841/29 08 55
Telefax 07841/28 99 3
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Dr. P. Macher: DIE BURNOUT-ERKRANKUNG DES ZAHNARZTES

Erschöpfung oder Burn-out erkennen

Unter Erschöpfung wollen wir hier nicht die Müdigkeit/Abgespanntheit nach einer Phase der mehr oder weniger zeitbegrenzten starken Aktivität verstehen (große Beanspruchung im Nachtdienst, Katastropheneinsatz, sportliche Tätigkeit etc.), da hier in der Regel die Regenerationsmöglichkeiten und – Fähigkeiten relativ groß sind und problemlos verlaufen.
Vielmehr ist hier die Rede von der Phase der Erschöpfung als Folge einer langdauernden Überforderung, sie hat pathologischen Charakter und ist die letzte Stufe des „allgemeinen Adaptationssyndroms“ :

1. ALARMPHASE:
Stressoren steigern die Aktivität des sympathischen Nervensystems: Reaktionen im gesamten Organismus.

2. RESISTENZPHASE: Das parasympathische Nervensystem versucht diesen Reaktionen entgegenzuwirken.

3.ERSCHÖPFUNGSPHASE:
Bei Dauereinwirkung der Stressoren, versagt der Widerstand, die vom VNS gesteuerten Organe werden überlastet und brechen zusammen.
Die Erschöpfungsphase entsteht durch Fortbestand einer stärkeren Stressbelastung mit auftreten von Alarmreaktionen (Bluthochdruck, Magengeschwür, Herz-Kreislauferkrankungen), die sich nicht mehr zurückbilden, da die Anpassungsenergie erschöpft ist. Tiere sterben in diesem Stadium bald, regelmäßig werden eine vergrößerte Nebennierenrinde, geschrumpfte Lymphknoten und multiple blutende Magengeschwüre festgestellt. Auch beim Menschen kommt es zu krankhaften Organveränderungen, die zwar selten direkt zum Tod führen, aber die Lebenserwartung verringern. Häufig kommt es zur Erschöpfungsdepression, die ärztlicher Behandlung bedarf.





Für die Praxis bedeutet dies:

Zur Erschöpfungsphase kommt es durch die dauerhafte Einwirkung eines oder mehrer Stressoren, die durch das Individuum nicht mehr ausreichend kompensiert werden können.

In der zahnärztlichen Praxis also ursächlich durch:
• Schwierigkeiten in der Behandlung / Berufsausübung
• Ständig überzogene Arbeitszeiten, Verzicht auf Feierabend
• Zeitdruck im Praxisablauf
• Ständig Personalprobleme
• Finanzielle Probleme
• Probleme mit KZVen, PKVen, Behörden
• Keine Abgrenzung gegen problematische Patienten
• Typische Einzelkämpferhaltung, d.h. zu wenig Kollegenkontakt
• Familiäre Probleme wegen „Praxisstress“
• Inneres Diktat der „Antreiber“ (s.o.)

Besonders betroffen sind übergewissenhafte, sensitiv-ehrgeizige Praxisinhaber (intellektuell führende Position) zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr, die dazu neigen, sich selbst zu überfordern und zunehmend in Leistungsdefizit geraten.


Besonders die helfenden Berufe laufen Gefahr unter dem Burnout-Syndrom
zu erkranken.
Es sei hier noch einmal warnend erwähnt, dass die Suizidrate unteren Zahnärzten überproportional hoch ist. Dies hat mit der speziellen beruflichen Situation zu tun.

Was ist BURNOUT?
Burnout ist der Zahnarzt, der engagiert ausgezogen ist, um der Karies und den Munderkrankungen den Kampf anzusagen und der mit Begeisterung seine Praxis betrieben hat und nun erkennen muss, dass er gegen Windmühlenflügel kämpft und die Karies immer wieder „nachwächst“. Der nun am liebsten „Die Müller, die alte Kuh, wenn die mal wieder mit ungeputzten Zähnen kommt“ aus der Praxis werfen würde, auf keine Fortbildungen mehr geht, dessen Berufsausübung zu einem „dentalen Abschmierdienst“ geworden ist und der zuviel Alkohol trinkt.

Burnout ist die Stewardess, die freudig in ihren Beruf eingestiegen ist und die nach einigen Jahren die „Scheiss-Typen“ im Flugzeug nicht mehr ertragen will, die „nur Ansprüche stellen“ und sie „ständig anmachen“.

Burnout ist der Musiker, der sein ganzes Leben der Musik verschrieben hat, der den Durchbruch nicht geschafft und resigniert in Bars Klavier spielend vor sich hindümpelt.

Burnout ist die Spitzensportlerin, die es international nach ganz oben geschafft hat und die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere alles aufgeben muss, weil sie „nicht mehr kann“.

Der amerikanische Psychiater R. Alexander beschreibt das Problem so:
„Was ist das für ein Prozess, der hochintelligente Männer mit ursprünglich anscheinend guter Motivation und einer Menge Vertrauen in sich selbst und ihre Fähigkeit, Krisensituationen zu meistern, in eine Geistesverfassung derartiger emotionaler Auflösung und Desillusionierung bringt?“


Die in 5 Phasen verlaufende Krankheit beginnt schleichend und unmerklich, der Betroffene empfindet es fast als schicksalhaft und unabwendbar, weil er nicht versteht, dass er selbst den Prozess am laufen hält.

Im Endstadium kommt es zu einer weitgehenden emotionalen, intellektuellen und sozialen Verflachung, nichts und niemand interessiert mehr.
Lauderdale (1982) hat diesen Zustand „Meltdown“ genannt und bezeichnet damit das terminale burn-out-Stadium:

Entmutigung und chronische Hoffnungslosigkeit werden durch Leere und tiefe existenzielle Verzweiflung abgelöst. Das Gefühl der völligen Sinnlosigkeit, Auswegslosigkeit, der Auflösung aller Ideale und sinnhaften Verankerungen erhöhen die Gefahr des Suizids. Der Zahnarzt leidet unter sich selbst und seinem Zustand, er möchte dies beenden, da er keine Lösung sieht. Oft genug setzt er dann auch seinem Leben ein Ende.

Das Schifflein treibt führerlos im Wind des Lebens. Gerade der ausgebrannte Zahnarzt, der bisher gewöhnt war, sich selbst und anderen zu helfen, bedarf nun in diesem Zustand der Apathie und Selbstgefährdung der professionellen Hilfe. Selbsthilfe und Unterstützung durch Familie und Freunde helfen nicht mehr, die Krankheit zu heilen.

Es ist Aufgabe und Verpflichtung der Mitmenschen, jetzt den hilflos gewordenen Zahnarzt auf die Hilfsangebote hinzuweisen oder sogar auf ihn einzuwirken, damit Hilfe aufgesucht und angenommen wird.


Vollständige Abhandlung in "Praxis Power", Spitta-Verlag 72336 Balingen

Weitere Informationen unter http://www.oralophobie.de/seminare.shtml.

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